Was ist Agentic BPM?
Agentic BPM (Agentic Business Process Management) erweitert das klassische Geschäftsprozessmanagement um autonome Akteure: Prozesse werden nicht mehr nur von Menschen und fest programmierten Systemen ausgeführt, sondern auch von KI-Agenten, die innerhalb eines Prozessrahmens eigene Entscheidungen treffen. Gestaltung, Steuerung und Verbesserung von Prozessen müssen deshalb regeln, wie viel Spielraum ein Agent hat und wie seine Entscheidungen nachvollziehbar bleiben. Systematisch beschrieben hat das Konzept ein Forschungsmanifest von 18 BPM-Forschenden, darunter Marlon Dumas, Peter Fettke und Stefanie Rinderle-Ma (März 2026).
Warum ist das wichtig?
BPM wurde für Abläufe entwickelt, deren Schritte vorab modelliert werden. Agenten entscheiden ihre Schritte zur Laufzeit – damit verschiebt sich BPM vom Vorschreiben zum Rahmensetzen und Überprüfen. Das Manifest nennt vier Fähigkeiten, die solche Agenten mitbringen müssen: gerahmte Autonomie (Framed Autonomy), Erklärbarkeit, Handlungsfähigkeit im Dialog und die Fähigkeit zur Selbstanpassung.
Wie sieht das konkret aus?
Im Reklamationsprozess legt das Prozessmodell nicht mehr jeden Schritt fest, sondern den Rahmen: Ziel ist eine Lösung binnen fünf Tagen, Gutschriften über 500 € brauchen eine Freigabe, Kundendaten dürfen nur im CRM geändert werden. Innerhalb dieses Rahmens entscheidet der Agent selbst, ob er Ersatz schickt, eine Gutschrift vorschlägt oder nachfragt — und begründet jede Wahl.
Nicht zu verwechseln mit
Nicht mit Agentic Process Automation gleichzusetzen: APA beschreibt die Automatisierung einzelner Abläufe mit Agenten, Agentic BPM den gesamten Managementzyklus von der Gestaltung bis zur Verbesserung. Und nicht als Abkehr von Prozessmodellen zu verstehen: das Modell bleibt, es legt aber Grenzen und Ziele fest statt jeder einzelnen Aktivität.
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